Geschichte

Geschichte

Laut Bericht der Klosterratskommissäre über die Visitation vom Jahre1544 wurde in der Kapelle in WILDUNGSMAUER wöchentlich alle Freitage von der Pfarre PETRONELL eine heilige Messe gefeiert. (Theodor WIEDEMANN, Geschichte der Reformation und Gegenreformation, 3. Band, Seite 530.)

Später wurde in WILDUNGSMAUER der Gottesdienst jeden 3. Sonntag im Monat sowie am Oster- und Pfingstmontag und am Stephanitag, ebenfalls von PETRONELL aus, abgehalten, (Pfarrarchiv PETRONELL.)

Wie aus einer Fassung aus dem Jahre 1776 hervorgeht, wurde damals in WILDUNGSMAUER einmal in der Woche ein Gottesdienst (Messe) gefeiert.

Anlässlich der Erhebung von REGELSBRUNN zur „ LOKALIE“ wurde WILDUNGSMAUER von der Pfarre PETRONELL getrennt und nach REGELSBRUNN als Filiale eingepfarrt. Wie seit langer Zeit wurde in WILDUNGSMAUER am Sonntag nach dem 6. Dezember das Fest des Heiligen NIKOLAUS , des Kirchenpatrons, mit Predigt und Hochamt auch weiter gefeiert. Die Wildungsmaurer wünschten aber in einer Bittschrift, dass der Lokalkaplan von REGELSBRUNN in ihrer Kirche jeden dritten Sonntag im Monat einen Frühgottesdienst abhalten möge. Dieses Ansuchen wurde aber 1798 aufgrund eines Berichtes des erzbischöflichen Konsistoriums von der niederösterreichischen Landesregierung abschlägig beschieden. (Erzbischöfliches Konsistorialarchiv in WIEN, Pfarre REGELSBRUNN.)

Derzeit wird an jedem Sonn- und Feiertag und am Dienstag jeder Woche ein Gottesdienst in WILDUNGSMAUER abgehalten.
Der Umstand, dass in WILDUNGSMAUER - 1301 schon als bestehende Tatsache bekannt - ein eigener Viceple angegeben wird und dass solch genaue Pfründenaufschreibungen schon 1301 vorhanden waren, führt uns zu folgender sicheren Erkenntnis: schon vorher - sowohl vor 1300 - ist daselbst ein Gotteshaus, die jetzige Wildungsmaurer Kirche, instandgesetzt worden. Pfarrgedenkbuch REGELSBRUNN.

Die Kirche in WILDUNGSMAUER steht unter Denkmalschutz und weist einen reinen romanischen Baustil auf, der viele Bewunderer hat. Die Kirche von WILDUNGSMAUER gehört zu den vielen Sehenswürdigkeiten, die ÖSTERREICH zu bieten hat, obwohl sie außer des Baues keine anderen „Schätze“ aufweist.

Äußerlich schaut die Kirche aus, als wenn man für die Außenseiten zu wenig Sorgfalt verwendet hätte, nachdem man die Backsteine nicht mit Mörtel verputzt hatte. Das Innere wirkt aber überaus beeindruckend auf den Betrachter, da die Wände ebenfalls naturbelassen sind und nicht mit Verputz die Quadersteine verdeckt sind. Die Rauheit der Steine lenkt die Aufmerksamkeit auf den Altar. So ist das Kircheninnere der Ausdruck von Armut und Weltflucht geworden, wo man nicht seitwärts und aufwärts zu blicken versucht wird, sondern nach vorwärts , wo der Altar steht.

1943 lässt Herr Dr. BERGER die Kirche gründlich renovieren und das elektrische Licht einleiten und einen Altar aus Naturmarmor herstellen, bei dessen Errichtung auch die vorerwähnten Statuen (Heiliger NIKOLAUS; ........) aufgestellt worden sind.
Der heutige Volksaltar wurde unter Pfarrer Pater MAURER und dem Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates, Franz NENICKA, im Jahre 1989 errichtet.
Auf dem Kirchenchor, zu dem ein ungeschickter Aufgang innerhalb des Kirchenschiffes führt, steht ein größeres Harmonium, das mit Pedalen versehen ist.
Im angebauten Turm befinden sich derzeit wieder drei Glocken. Im Verlaufe des 2. Weltkrieges (1941) mussten zwei der drei Glocken abgeliefert werden.

Die Kirche umgibt ein stimmungsvoll angelegter und immer in Ordnung gehaltener Friedhof, der von einer Mauer umgeben ist.



Im Pfarrgedenkbuch REGELSBRUNN wird uns berichtet:

Zur Mutterkirche PETRONELL kamen alle Ortskirchen im Umkreise bis FISCHAMEND - BRUCK - HAINBURG und wurden 1083 dem neuen Stifte GÖTTWEIG auf Veranlassung des Heiligen ALTMANN, Bischof von PASSAU (1065 - 1091) übergeben. Dabei werden SCHARNDORF, HÖFLEIN und ARBESTHAL schon erwähnt. WILDUNGSMAUER aber noch nicht, das erst ca. 200 Jahre später eine Filiale von PETRONELL geworden ist, eine Folgeerscheinung der des steten Bevölkerungszuwachses.
Jakob PÜTTNER (auch BÜTNER), geboren 1542, 1564 in WIEN zum Priester geweiht, war 1566 Pfarrer des Marktes LEUSZ; fiel vom katholischen Glauben ab, kam 1574 nach DEUTSCH ALTENBURG und dann durch die DÖRR, zu deren Herrschaft WILDUNGSMAUER gehörte, 1577 als lutherischer Prediger nach WILDUNGSMAUER. Im Jahre 1580 ist PÜTTNER von den protestantischen Examinatoren als Prädikant anerkannt worden. PÜTTNER wird geschildert als schwacher und kränklicher Mann; gut ist es ihm in WILDUNGSMAUER gewiss nicht gegangen. Denn das Essen war ihm sehr kärglich zugemessen, so zwar, dass er sogar sein Lutherbuch dafür verkaufen musste.
1586 meldet Offizial Dr. Melchior KLESEL , dass der vorhin genannte Prädikant PÜTTNER der katholischen Sache großen Schaden zugefügt und viele hunderte arme Seelen verführt habe und dass er auch heute noch nicht aufhöre in den umliegenden Ortschaften die katholischen Untertanen der Herrschaften zu sich zu ziehen usw. Von da ab (1586) ist über PÜTTNER nichts mehr bekannt . (MAURER 123 f und WISZGRILL III, 530.)
Das Wirken PÜTTNERS in hiesiger Umgebung hat die Jesuiten, welchen die Herrschaft PETRONELL von 1598 bis 1610 gehörte, veranlasst, aus ihrem Getreidespeicher in REGELSBRUNN eine Kirche zu gestalten (Gegenreformation).







Die mittelalterliche Anlage zeigt den Typus eines zweijöchigen kreuzrippengewölbten Saalbaues mit eingezogenem kreuzrippengewölbten Rechteckchor. Die Kirche ist ein Quaderbau aus unregelmäßigen Steinscharen. Die Wandstärke beträgt zwischen 1,75 und 2,00 m. Das Langhaus zeigt außen die vier Ecken mit Lisenen verstärkt. Es besitzt einen durchgehend attisch profilierten Sockel, der an den Lisenenvorlagen entsprechend verknüpft ist. An der Südseite sind zwei originale Rundbogenfenster erhalten.

Am westlichen Südfenster ist das einzige Steinmetzzeichen des gesamten Baus erhalten. An der Nordseite des Langhauses besteht der heute bis auf ein lünettenartiges Fenster vermauerte Rest eines Rundbogenportales. Das Portal ist heute nur mehr bis auf einige Reste erhalten. An der Langhausnordwand besteht noch ein originales Rundbogenfenster.

Der Chor zeigt die gleiche Quaderbauweise wie das Langhaus. Alle drei Außenwände sind seitlich mit Lisenen begrenzt. Das attische Sockelprofil ist vom Langhaus in gleicher Höhe rund um den Chor fortgesetzt. In die vertieften Wandfelder zwischen den Lisenen ist an jeder Chorseite ein Rundbogenfries mit runden unteren Abschlüssen eingespannt. Über dem Rundbogenfries verlaufen an den Chorwänden ein Zahnschnitt und ein bekrönendes Gesimse. Die Chorostwand zeigt in der Mitte ein originales Rundbogenfenster.

Die Gewölbe im Inneren besitzen schwere (30 cm breite) Bandrippen auf Viertelkugelkonsolen. An der Ostseite des Langhauses ruhen die Rippen auf Viertelsäulen mit glatten, gerundeten Kapitellen ohne Kämpfergesimse. Zwischen den beiden Langhausjochen ist ein 75 cm breiter Bandgurt eingespannt, der beidseitig auf Konsollisenen aufliegt. An diesen ist das Motiv der rippentragenden Konsolen weitergeführt. Die Langhausjoche sind in ihrer Anordnung querrechteckig ausgeführt. In den Triumphbogen ist ein 1,10 m breiter Gurt eingelegt, der wiederum konsolenartig abgestützt ist. Auch der Triumphbogen selbst ist im Querschnittsprofil in halber Raumhöhe konsolenartig zurückgenommen. Das Chorjoch ist in seiner Grundrissanordnung längsrechteckig ausgeführt. Die Bandrippen des Kreuzgewölbes ruhen auf Konsolen analog dem Langhaus, der Gewölbescheitel zeigt eine Überschneidung der Rippen ohne Schlussstein. Sämtliche Gewölbe des Bauwerks sind Rundbogengewölbe

Zu den späteren Anbauten zählt die Westvorhalle mit dem Turmaufbau von 1817. Damals wurde auch der Westeingang in die Kirche neu errichtet und im Anschluss das Nordportal, der ehemals einzige Zugang zugemauert. Aus der gleichen Epoche stammt auch der Zubau der Sakristei nördlich des Chores mit einem Zugang zum Chor. Das Chorsüdfenster wurde im Zuge der Umbautätigkeiten vergrößert und das gesamte Langhaus mit Ziegelmauerwerk um ca. 60cm erhöht, wodurch heute keine Aussagen über das originale, obere Abschlussgesimse getroffen werden können. Die ältere Literatur datiert dieses Bauwerk in das 12. Jhdt. n.Chr. Die Kirche von Wildungsmauer, die Pfarrkirchen von Deutsch Altenburg und Petronell erscheinen durch die Lisenengliederung und die gleichartige Ausführung der Rundbogenfriese einer Werkstatt zuordenbar. Die Ähnlichkeit der Portale bindet auch den Hainburger Karner an diese stilistische Gruppe. Vor allem die attischen Sockelprofile sind bei allen angeführten Bauwerken sehr ähnlich bzw. identisch



Quelle: Auszug aus Chronik "Wildungsmauer im Spiegel der Zeit" von Andreas Scharmer jun. (1995)